08 Mai

Danksagung an die polnischen Befreier*innen Charlottenburgs

Heute vor 75 Jahren kapitulierten die deutschen Streitkr√§fte. Ein Tag der Freude, bedeutete dies doch den Untergang des NS Regimes. Besonderen Dank m√∂chten wir an die polnischen Befreier*innen Charlottenburgs richten.Insgesamt nahmen im Fr√ľhjahr 1945 mehr als 185.000 polnische Soldat*innen der 1. und 2. Polnischen Armee (die in der Lausitz k√§mpfte), an der Berliner Operation teil. 12.000 von ihnen k√§mpften in der Innenstadt, 8.892 lie√üen ihr Leben f√ľr die Befreiung Berlins.¬†Die in der Erinnerung oft vergessenen polnischen Einheiten halfen entschieden dabei Charlottenburg und die TU zu erobern. SS und Wehrmacht hatten unter anderem das heutige TU-Gel√§nde, damals noch „Technische Hochschule“ (TH), in eine Festung verwandelt, die sie bis zum 2. Mai 1945 hielten.

Beteiligt an den K√§mpfen um das als „Zitadelle“ bezeichnete Gebiet war vor allem die polnische 1. Tadeusz-KoŇõciuszko-Division. Unter den Soldat*innen der 1. Tadeusz-KoŇõciuszko-Division befanden sich kampferprobte M√§nner und Frauen, die unter anderem schon beim √úberfall der Wehrmacht auf Polen 1939 gegen diese gek√§mpft haben und auch schon Kampferfahrung im Warschauer Aufstand der polnischen Heimatarmee (Armia Krajowa) 1944 gewonnen.¬†¬†Die „Zitadelle“ umschloss die drei wichtigen Punkte Karl-August-Platz, S-Bahnhof Tiergarten und das Gel√§nde der Technischen Hochschule. Dieses Gebiet stellte einen wichtigen Verteidigungspunkt der Wehrmacht f√ľr die Reichskanzlei und Hitlers „F√ľhrerbunker“ dar.

Am 30.4.1945 begann die 1. Tadeusz-KoŇõciuszko-Division gemeinsam mit der 2. Sowjetischen Panzer-Garde-Armee ihren Versuch dieses Gebiet von Westen her zu durchbrechen und auf der Charlottenburger Chaussee (heute: Str. des 17. Juni) zur Reichskanzlei durchzusto√üen. Es war die Aufgabe der polnischen Infanterie den Weg bis zum Tiergarten und zum Zoologischen Garten freizuk√§mpfen, da es zun√§chst kein Durchkommen f√ľr die sowjetischen Panzer gab. Waren die Geb√§ude noch durch SS und Wehrmacht besetzt und mussten erst durch die Infanterie ger√§umt werden. In der Nacht vom 1. auf den 2. Mai war dies gelungen und am Tag hing die polnische Fahne auf der Siegess√§ule.¬†

Doch auch bevor das TH Gel√§nde in ein Schlachtfeld verwandelt wurden, war die Hochschule Teil des nationalsozialistischen Alltags:¬†Nationalsozialistische Studentengruppen organisierten etwa die Schikane ihrer j√ľdischen Professoren und Dozierenden und denunzierten ihre j√ľdischen oder kommunistischen Kommiliton*innen. Bis 1939 wurden durch immer weiter versch√§rfte antisemitische Gesetze jede, in den Augen der Nazis j√ľdische Person aus dem Lehrk√∂rper der TH entfernt. Einige wurden deportiert, ermordet oder nahmen sich das Leben. Auch gab an der TH eine „Wehrtechnische Fakult√§t“ mit geheimer milit√§rischer Forschung, die in der nationalsozialistischen R√ľstungsforschung eine wesentliche Rolle spielte.¬†Lange vor den deutschen „Tr√ľmmerfrauen“ mussten sich Zwangsarbeiter*innen um den Schutt der Bombardements k√ľmmern: als das Hauptgeb√§ude der TH¬† zerst√∂rt wurde, wurden 1943 Zwangsarbeiter*innen f√ľr die Aufr√§umarbeiten eingesetzt.

Im gleichen Jahr bekam die TH eigene¬† Zwangsarbeiter*innen,¬†nachdem sie sich bis dahin bei Bedarf Zwangsarbeiter*innen bei anderen Firmen geliehen hatte. Sie wurden unter katastrophalen Bedingungen auf dem Campus in der Franklinstra√üe 29 untergebracht. Prof. Drawe, Fakult√§t f√ľr Maschinenwesen, lamentierte rasstisch gegen die sogenannten „Ostarbeiter“:¬†‚ÄěDenn es d√ľrfte richtiger sein, wenn die F√§kalien sich im Ostarbeiterlager ansammeln, als dass sie in unsere Bibliothek hinabbef√∂rdert werden.‚Äú¬†Dieser furchtbare Zustand fand mit der Bedingungslosen Kapitulation Nazi-Deutschlands ebenfalls ein Ende.¬†¬†

Der AStA TU sagt daher: Dzińôkujemy za Wyzwolenie! Und k√§mpft und erinnert weiter antifaschistisch.¬†

Um die Erinnerung wach zu halten war es urspr√ľnglich geplant, heute eine Gedenktafel auf dem Campus der TU aufzustellen. Wir als AStA TU zusammen mit dem¬†VVN-BdA¬†und der¬†SPD-Fraktion Charlottenburg-Wilmersdorf¬†wollten so an die polnischen Befreier*innen und ihren Kampf gegen den Hitler-Faschismus zu erinnern.Die Aufstellung sollte feierlich umrahmt werden.

Auf Grund des Corona-Virus haben wir uns dazu entschieden, die Veranstaltung auf den 1. September zu verschieben, den Jahrestag des deutschen √úberfalls auf Polen.¬†F√ľr mehr Informationen k√∂nnt ihr auch gerne hier weiterlesen:https://berlin.vvn-bda.de/2020/02/8-mai-2020-der-polnischen-befreiern-gedenken-danke-fuer-die-befreiung-dziekujemy-za-wyzwolenie/¬†

Foto: Gesch√ľtze des 2. Polnischen Artillerie-Bataillon am Charlottenburger Schloss, April 1945. Quelle: Centralne Archiwum Wojskowe, Sign. K-148-8-9Bearbeitung: AStA TU (2020)