Länger Studieren schadet nicht.

AStA TU Berlin unterstützt langzeitstudentische Anliegen beim Internationalen Kampf- und Feiertag der Arbeitslosen

Studierende der TU Berlin bringen sich dieses Jahr solidarisch in die Demonstration zum 2. Mai, dem "Internationalen Kampf- und Feiertag der Arbeitslosen", am Senefelder Platz um 13 Uhr ein. [fb] Der AStA begrüßt diesen Vorstoß. Studierende sind natürlich keine "Arbeitslosen". Doch auch Studierende, besonders sogenannte Langzeitstudierende, geraten schnell in die Situation, sich für ihre Nicht-Erwerbstätigkeit rechtfertigen zu müssen.

Politik und Hochschulen bemühen sich im Dienste der Rentenkassen, Studierende möglichst schnell in den Arbeitsmarkt zu pumpen. Ein entscheidendes Instrument dabei ist die sogenannte Regelstudienzeit. In Berlin richtet sich die "leistungsorientierte Mittelvergabe" bei der Bewertung der Lehrqualität einer Hochschule stark danach, inwiefern Studierende sich in der Regelstudienzeit bewegen. Hannah Eberle, Öffentlichkeitsreferentin des AStA: "Die Politik betreibt bewusst ein Anreizsystem für die Hochschulen: Studierende sollen schnell zum Abschluss getrieben werden. Individuelle Bildungsbiographien und das Studium als eigenständiger Lebensabschnitt geraten dabei unter die Räder."

Benjamin Bisping, AStA-Referent für Kultur- und Gesellschaftskritik und Informatik-Bachelor-Langzeitstudent im 10. Semester: "Ich kam mit einem sehr guten Abi an die Uni und hatte im Alter von 12 Jahren angefangen zu programmieren. Vermutlich hätte ich Informatik auch in fünf Semestern abschließen können. Aber ich habe mich entschieden, hier nicht nur auf der Durchreise zu sein. Studieren muss mehr sein als einen Abschluss machen. Ich begann, hier auch als studentische Hilfskraft in Forschung und Lehre zu arbeiten, Hochschulpolitik zu betreiben, Module nach Anspruch statt Arbeitsaufwand auszusuchen, in Studi-Cafes mitzuwirken und meine Freundschaften nicht zu vernachlässigen. Glaubt man Politik und Statistiker*innen und ihrem Indikator "Studierende in Regelstudienzeit", dann mache ich offenbar etwas verkehrt. Ehrlich gesagt sehe ich nicht ein, dass irgendwelche Bürokrat*innen ein Recht haben sollten, in mein Studium reinzuregulieren. Es besteht nicht einmal eine gesellschaftliche Notwendigkeit dazu: Wir leben - auch dank der Informatik - in einer Welt, die ohne Vollbeschäftigung von 20 bis 67 funktionieren sollte. Darum gehe ich auf jeden Fall zur Demonstration am 2. Mai."

Der AStA der TU Berlin kämpft dafür, dass alle Studierenden ihr Studium so gestalten können, wie es ihnen am meisten bringt und für sie funktioniert. Jana Küchler von der Hochschulberatung des AStA: "Wir stehen Studierenden bei, die durch fragwürdige Auflagen und Prüfungszwänge aus dem Studium gekickt werden sollen. Betroffenen raten wir dringend, die Hochschulberatung des AStAs aufzusuchen. Lasst euch von der Uni nicht hetzen!" Von den 2010 in Deutschland erworbenen Hochschulabschlüssen bewegten sich nur 39% in der Regelstudienzeit. Nimmt man Studienabbrüche und Studiengangswechsel hinzu, so ist es alles andere als "die Regel", ein begonnenes Studium in "Regelstudienzeit" abzuschließen. In vielen Fällen ergibt auch ein Teilzeitstudium Sinn.

Der "Internationale Kampf- und Feiertag der Arbeitslosen" zum 2. Mai findet seit 2004 regelmäßig als eine kleine Demonstration durch den Prenzlauer Berg statt. Diese richtet sich humorvoll gegen Irrungen von Arbeitsethik und Verwertungszwang.

Siehe auch ein liberaler Beitrag zum Thema Arbeitsethik: Wolf Lotter "Blinder Eifer schadet nur"