Deutsche Bank kauft Unis nicht allein – der Skandal ist die Normalität 30.Mai.2011

In den letzten Tagen ist ein angeblicher Geheimvertrag zwischen HU, TU und der Deutschen Bank in den Medien als Skandal dargestellt worden. Doch was von der Öffentlichkeit als Skandal aufgefasst wird ist schon seit Jahren Normalität an den Universitäten. Die Umstrukturierung der Hochschulen im Sinne eines unternehmerischen Gedankens führt unweigerlich zur Beugung der wissenschaftlichen Ideale. Christian Meyer vom AStA der TU Berlin hierzu: „Die Forschung orientiert sich zunehmend an kurzfristigen Fragestellungen, die innerhalb kurzer Zeiträume wirtschaftlich verwertbar beantwortet werden können. Dem gesellschaftlichen Auftrag, den die Universitäten zu erfüllen haben, werden sie nicht gerecht. Grundlagenforschung nimmt immer weniger Raum an Universitäten ein.“

Saskia Benisch, Referentin für Wissenschafts- und Technikkritik im AStA der TU ergänzt: „Es ist erschreckend wie abhängig die Universitäten inzwischen von den Unternehmen sind und welchen Einfluss wirtschaftliche Interessen haben. Wissens- und Interessensentfaltung, Beantwortung gesellschaftsrelevanter Fragestellungen und selbstbestimmtes Lernen an Universitäten steht nur noch in Geschichtsbüchern. “

Erik Marquardt vom AStA TUB sagt: „Die Qualität der Lehre nimmt immer weiter ab, da Wissenschaftler_innen gezwungen werden immer mehr Drittmittel einzuwerben und immer mehr Projektanträge zu schreiben, da sie sonst um ihre befristeten Beschäftigungsverhältnisse fürchten müssen. Anerkennung gibt es an den Unviersitäten nur für Erfolge in der Forschung und nicht für gute Lehre.“

Die Universitäten dürfen sich nicht vor dem Hintergrund des Neoliberalismus verkaufen. Es muss einen Paradigmenwechsel geben und Kräfte, die sich dem Umstrukturierungsprozess entschieden entgegenstellen. Erste Schritte müssen eine Distanzierung von derartigen Verträgen und die öffentliche Ausfinanzierung der Hochschulen sein. Das Studierendenparlament der TU Berlin wird morgen eine Resolution zum Thema verfassen.