„Code of Conduct“ an der TU Berlin: Endlich Regeln für den Drittmittelsumpf?

Am Freitag, 19.10.2012, wird im Kuratorium der TU Berlin auf Anregung des AStAs ein „Code of Conduct“ beschlossen. Mit diesem „Muster für Drittmittelverträge“ sollen endlich die Bedingung für Kooperationen transparenter gestaltet werden. Grund für die Forderung des AStAs nach einem solchen Richtlinienpapier war die fragwürdige Handhabung eines Vertrages mit der BASF-SE vergangenen Winter.

Die zunehmende Relevanz von Drittmitteln und ihr steigender Einfluss auf die Hochschulforschung, zuweilen sogar auf die Lehre, stößt bei den Studierendenvertreter*innen auf massiven Missmut. So verschärfen oft kurzfristige Projekte die meist sowieso schon prekären Beschäftigungsverhältnisse von wissenschaftlichen und/oder studentischen Mitarbeiter*innen: Die inakzeptablen Befristungen der Arbeitsverträge reichen im wissenschaftlichen Bereich selten über die Dauer von 6 Monaten bis 2 Jahren hinaus.

Die Veröffentlichung des statistischen Bundesamtes vom 12.10.2012, die eine deutliche Steigerung der Drittmittelgelder im Vergleich zum Vorjahr anzeigt, beunruhigt die Studivertreter*innen.
„Wenn das so weitergeht, ist zu befürchten, dass die Prioritätensetzung an Hochschulen von 'Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei' hin zur absoluten Auftragsforschung wandelt – mit allen negativen Konsequenzen für die Vielfalt und Unabhängigkeit an Hochschulen, sowie einer extremen Ungleichberechtigung zwischen den einzelnen Wissenschaftsbereichen“, so Rico Clauß vom Wissenschafts- und Technikkritikreferat über den Drittmitteltrend.

Die Referentin für Bildungspolitik des AStAs, Jana Küchler, ergänzt:
„Noch versichern Unileitung, Politik- und Wirtschaftsvertreter*innen, dass die Bedeutung von Drittmitteln zur Finanzierung der Hochschulen ein gewisses Maß nicht überschreiten wird. Die ständigen Kürzungen im Bildungsbereich, Rankingwahn und Veröffentlichungen, wie die des statistisches Bundesamtes, lassen uns jedoch an diesen Versicherungen zweifeln.“

Ob durch den „Code of Conduct“ eine transparentere Handhabung von Kooperationsverträgen durchgesetzt wird, bleibt abzuwarten.