AStA kritisiert Beteiligung der Bibliothek des Konservatismus an Langer Nacht der Bibliotheken

Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der TU Berlin sieht die Teilnahme der Bibliothek des Konservatismus an der Langen Nacht der Bibliotheken 2013 kritisch. Die rechte Bibliothek erhält hier unpassenderweise eine Plattform, sich als gewöhnliche Bildungsinstitution darzustellen.

Im Rahmen der Langen Nacht der Bibliotheken am 24. Oktober 2013 lädt die Bibliothek des Konservatismus in der Nachbarschaft der TU Berlin ein zu einem Vortrag mit dem Thema: „,Hilfe, ich werde konservativ!' oder: Warum das (eigentlich) ganz normal ist.“

Hannah Eberle vom AStA TU Berlin sagt dazu: „Was sich hier konservativ nennt, ist einfach nur stramm rechts und definitiv nicht „ganz normal“. Wir finden es skandalös, dass die Bibliothek des Konservatismus sich ohne hörbare kritische Stimmen in der Langen Nacht der Bibliotheken in eine Reihe stellen darf mit weltoffenen Bibliotheken wie z.B. unserer Universitätsbibliothek. Wir sehen eine akute Gefahr darin, dass hier rechten Agitatoren Raum geboten wird. An Orten wie der Bibliothek des Konservatismus finden nicht Bildung und Forschung statt, sondern antiegalitäre Hetze und Networking von Rechten. Wir hoffen, dass andere Bibliotheken sich deutlich von der Teilnahme der Bibliothek des Konservatismus an der Langen Nacht distanzieren und nicht mehr mit ihr zusammenarbeiten.“

Zum Hintergrund

Bei der Bibliothek des Konservatismus handelt es sich um eine wichtige Struktur der Neuen Rechten, die eng mit der rechts-konservativen Wochenzeitung Junge Freiheit vernetzt ist. Seit der Eröffnung 2012 finden in den Räumlichkeiten in der Charlottenburger Fasanenstraße immer wieder Veranstaltungen mit neurechten Redner_innen statt. So sprach bereits Karlheinz Weißmann vom neurechten Institut für Staatspolitik im Rahmen einer Bibliotheksveranstaltung und fundamentalistische Abtreibungsgegner konnten in der Bibliothek das Begleitprogramm zum diesjährigen „Marsch für das Leben“ abhalten. Für November ist bereits Felix Strüning, Geschäftsführer der nationalliberalen Stresemann-Stiftung, als Referent angekündigt („Wie islamische Akteure unsere Grundrechte bedrohen“).

Ins Leben gerufen wurde die Bibliothek von der Förderstiftung Konservative Bildung und Forschung (FKBF), welcher der Junge-Freiheit-Chef Dieter Stein vorsitzt. Die FKBF vergibt den Gerhard-Löwenthal-Preis für Journalist_innen: Preisträger_innen waren bisher z.B. Michael Paulwitz, Schriftleiter der völkischen Deutschen Burschenschaft, und Ellen Kositza, Autorin der Jungen Freiheit und Sezession, u.a. bekannt durch ihre antifeminsitischen Äußerungen und ihren Ehemann, den extrem rechten Verleger Götz Kubitschek.

Besonders problematisch erscheint für Studierendenvertreter_innen, dass die Ansiedlung der Bibliothek in direkter Nähe zum Campus Charlottenburg offenbar vorgaukeln soll, das konservative Lager sei in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Dieter Stein (Junge Freiheit) drückte das so aus: „Eine konservative Forschungsbibliothek in der Hauptstadt und in Universitätsnähe artikuliert einen Anspruch auf wissenschaftliche und politische Mitwirkung“ (zitiert nach Antifaschistisches Infoblatt, Nr. 84).

Weiterführendes Links

http://www.blog.schattenbericht.de/2013/04/neue-zentrale-punkte-des-rech...
http://www.recherche-und-aktion.net/2013/10/neue-rechte-auf-langer-nacht...