Anstieg der Studienbewerber*innen 05.08.2011

Anstieg der Bewerber_innenzahlen wird auf dem Rücken der Studierenden ausgetragen

Es war mindestens seit dem Beschluss über Aussetzung der Wehrpflicht Ende 2010 und den doppelten Abiturjahrgängen in Berlin und Brandenburg bekannt, dass die Bewerber_innenzahlen dramatisch ansteigen würden. Getan wurde von Bundesregierung, dem Berliner Senat und der Leitung der Technischen Universität Berlin nahezu nichts. Die Finanzspritze des Hochschulpaktes 2020 ist nicht auf den jetzigen Ansturm ausgerichtet.
621 Bewerber_innen auf 30 Studienplätze im Bachelorstudiengang Sprache und Kommunikation oder 1197 auf 200 Plätze im BA Studiengang Maschinenbau. So sieht die Lage in einigen Studiengängen Berlins aus.
Der Senat redet die Zahlen schön und deutet den Anstieg als Indikator für eine “Attraktivität der Berliner Hochschulen”. Die ohnehin schon überlaufenen Studiengänge an der TU stehen zunehmend weiter unter Druck. Weitere Beispiele sind die Studiengängen Wirtschaftsingenieurwesen, Ernährung/Lebensmittelwissenschaft oder auch Economics. Auch auf diese bewerben sich 10 bis 20 mal so viele Personen, wie Studienplätze zur Verfügung stehen.
Selbst wenn höhere Kapazitäten in einzelnen Studiengängen geschaffen werden, hat dies nicht zur Folge, dass auch Räume, freie Arbeitsplätze in der Bibliothek oder Lehrstellen mit wachsen. Die Konsequenzen sind übervolle Vorlesungen und Seminare, in denen sinnvolles Studieren nur schwer möglich ist. Vorschläge wie von Senator Zöllner, Praktika in der vorlesungsfreien Zeit abzuhalten, sind längst gängige Praxis an der TU Berlin. Dies geht zu Lasten der Studierenden, die in dieser Zeit eigentlich Hausarbeiten und Prüfungen zu absolvieren hätten. Auch der Vorschlag des ersten Vizepräsident der TU, Hundt, Vorlesungen digital zu übertragen, helfen in dieser Misere nicht viel weiter. Persönliche Betreuung und Kontakt kann so nicht ersetzt werden.
Die gestiegenen numeri clausi, durch dem erhöhten Bewerber_innenandrang, führen zu einer weiteren sozialen Selektion an der Hochschule. Nils Döring vom AStA der TU hierzu: “Wir fordern, dass die Zulassung an Berliner Hochschulen allen offen stehen muss, die in Berlin studieren wollen. Was die Studierenden brauchen ist endlich mehr Lehrpersonal, mehr Räume und eine ausreichende Ausstattung etwa der Labore. Hierfür ist eine Ausfinanzierung der Hochschulen durch den Staat bitter nötig und auch der einzige Weg.”
Christine Ilgert ergänzt: „Einzelne Studiengänge zu fördern, teils durch Drittmittel, verschärfen das Problem und tragen nichts zu einem qualitativ hochwertigen und breit gefächertem Lehrangebot bei.“
Fehlende Kapazitäten im Bildungsbereich sind ein berlinweites Problem. Anne Schindler vom AStA FU dazu: „Die Aufstockung der Studienplatzzahlen an der FU stehen in keinem Verhältnis zu den möglichen Bewerber_innen. Die Universitäten müssen den gestiegenen Berwerbungszahlen endlich gerecht werden und ein breites ausfinanziertes Studienangebot schaffen.”
Die verfassten Studierendenschaften bereiten sich darauf vor diesen Problemen auf allen Ebenen zu begegnen.