Verfolgung von Hochschulangehörigen in der Türkei: Aufruf an alle Mitglieder der TU Berlin

Wir veröffentlichen an dieser Stelle ein Statement von Prof. Dr. Gazi Çağlar Prof. Dr. Christine Huth, Initiatoren einer Petition zur Unterstützung der türkischen Initiative „Akademiker für den Frieden". Die Mitglieder der Initiatve, sowie die Unterzeichner*innen ihres Aufrufs für eine friedliche Lösung im türkisch-kurdischen Konflikt sind derzeit massiver Repression ausgesetzt.

„Am 15. März wurden Dr. Esra Mungan, Dr. Kıvanc Ersoy und Dr. Muzaffer Kaya, alle drei Unterzeichner des Aufrufes für den Frieden auf Wunsch der Staatsanwaltschaft von einem Istanbuler Gericht verhaftet und ins Gefängnis geschickt. Chris Stephenson, der seit Jahrzehnten in der Türkei lebende und lehrende Hochschullehrer, wurde seiner Familie in Istanbul entrissen und heute ausgewiesen.

Das ist der vorläufige Höhepunkt der Repressionen gegen Hochschulangehörige in der Türkei, die sich für einen Stopp des Krieges in Türkei-Kurdistan und eine politische Friedenslösung geäußert hatten. Vorläufig, weil die Istanbuler Staatsanwaltschaft alle 1128 Unterzeichnerinnen und Unterzeichner nach und nach verhört und bald über die Eröffnung des Verfahrens gegen alle entscheiden wird.

Der Vorwurf lautet “Propaganda für die Terrororganisation”, ein lächerlicher Vorwurf, den Erdogan in seinen Reden gegen die Hochschulangehörigen ausgegeben hat. Bisher sieht die Bilanz der Hexenjagd also wie folgt aus: 3 Verhaftete, 1 Ausgewiesener, über 30 Entlassene, Hunderte von Anhörungen durch die Untersuchungskommissionen der Universitäten, die dem Erdogan unterstehenden Hochschulrat berichten sollen, und Staatsanwaltschaften sowie eine beispiellose Hetz- und Hasskampagne.

Ein Angriff dieses Ausmaßes auf die Freiheit der Wissenschaft ist ein Angriff auf die Wissenschaft weltweit. Auch vor dem Hintergrund unserer eigenen Geschichte sind wir in der Verantwortung, uns mit den Hochschulangehörigen in der Türkei solidarisch zu zeigen. “

Zugleich schließen wir uns dem folgenden Aufruf zur Unterstützung der Verfolgten, insbesondere auch gegenüber allen Mitgliedern der TU, an:

Schreiben Sie bitte an die unten genannten Adressen Solidaritäts- und Protestbekundungen mit der Forderung nach sofortiger Freilassung der verhafteten Hochschulangehörigen und des Stopps der Hexenjagd gegen die Hochschulangehörigen, am besten im Namen der Gremien Ihrer Universitäten und Hochschulen, der Organisationen, in den Sie mitwirken:

Ministerpräsident Davutoglu
BAŞBAKANLIK ÇANKAYA KÖŞKÜ
Çankaya Mah. Ziaur Rahman Cad. Çankaya / Ankara

Kopien bitte an die Hochschulangehörigen für den Frieden und uns zwecks Pressearbeit:
info@barisicinakademisyenler.net
gazi.caglar@web.de

Bitte schreiben Sie an die Universitäten in der Türkei, mit denen Sie Erasmus- und andere Kooperationsvereinbarungen haben, dass Sie die Repressionen nicht gutheißen werden und über die Zusammenarbeit erneut nachdenken müssen, wenn sie nicht aufhören,

Wenden Sie sich bitte auch an die hiesige Politik, sich in Gesprächen und Verhandlungen mit der Türkei für die Freilassung der Hochschulangehörigen einzusetzen.

Die entlassenen Hochschulangehörigen und andere unter Druck brauchen auch konkrete Unterstützung wie Stipendienaufenthalte, Gastaufenthalte usw. Wenn Sie welche anbieten können, bitte an uns wenden (siehe obige Emailadressen).

(Quelle: change.org)

Presse:

Spiegel Online

Neues Deutschland

Euronews