Stolperstein-Verlegung in Gedenken an den TH-Studenten Günter Fuchs

Günter Fuchs, Maschinenbau-Student an der Technischen Hochschule Berlin, der heutigen TU, wurde nach nur drei Studiensemestern am 12. November 1938 vom Studium ausgeschlossen. Er gehörte zu den zwanzig an der TH studierenden „reichsdeutschen Volljuden“, denen der von 1938 bis 1942 amtierende Rektor Storm auf Anweisung des Reichs- und Preußischen Ministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung per Einschreiben „bis auf weiteres die Teilnahme an den Vorlesungen und Übungen der T.H.B. sowie das Betreten der Hochschule überhaupt“ verbot.

Ernst Storm war überzeugter Nationalsozialist und SA-Sturmbannführer. Er war bereits im März 1933 Rädelsführer einer Aktion, bei der die Hakenkreuzfahne auf dem Hauptgebäude der TH gehisst wurde. Am 1. April 1933 wurde Storm zum ordentlichen Professor ernannt.*

Der Vater von Günter Fuchs, der mit Berufsverbot belegte Rechtsanwalt Dr. Herbert Fuchs, wurde im Zusammenhang mit dem Novemberpogrom im KZ Sachsenhausen inhaftiert. Günters Geschwister wurden etwa zum gleichen Zeitpunkt von der Schule verwiesen, da man es keinem „deutschen“ Lehrer bzw. Schüler zumuten wollte, mit Juden in einem Raum zu sitzen.

Von der fünfköpfigen Familie Fuchs, die man 1943 nach Theresienstadt verschleppte, wurden Vater Herbert (Theresienstadt-Auschwitz), Ehefrau Grete (Theresienstadt) und Sohn Günter (Theresienstadt-Auschwitz-Golleschau-Sachsenhausen-Mauthausen) ermordet.

Ernst Werner Fuchs wurde 1939 als 15-Jähriger in einem Internat in England untergebracht, er überlebte. Vera Ellen Fuchs überlebte Theresienstadt, Auschwitz und das Frauenaußenlager Merzdorf. Sie kehrte nach ihrer Befreiung durch die Rote Armee im Mai 1945 für kurze Zeit nach Berlin zurück und wanderte 1947 in die USA aus. Die beiden Überlebenden sind inzwischen verstorben.

Am Mittwoch werden vor dem letzten Wohnort der Familie Fuchs in der Meinekestraße 4 in Charlottenburg (zwischen Kurfürstendamm und Lietzenburger Straße) Stolpersteine in Gedenken an Günter Fuchs und seine Familienangehörigen verlegt. Die Tochter von Ernst Werner Fuchs wird aus England anreisen und an der Stolperstein-Verlegung teilnehmen.

* Carina Baganz: Diskriminierung, Ausgrenzung und Vertreibung. Die Technische Hochschule Berlin während des Nationalsozialismus, Berlin 2013

Date: 

Wednesday, February 10, 2016 - 11:15

Place: 

Meinekestr. 4 in Charlottenburg (zw. Kurfürstendamm u. Lietzenburger Str.)

Type: