Antifaschistische Konferenz

Antifaschistische Konferenz / Initiativentreffen

„Deutschland wieder gutgemacht? Erinnerungskultur vor neuen Herausforderungen“

Konferenz / Zeitzeug*innenveranstaltung / Ausstellungen / Gedenken an die Opfer des Faschismus/ Antifaschistischer Fahrradkorso

8. bis 10. September 2017 / Technische Universität Berlin, Mathematikgebäude
Straße des 17. Juni 136, 10623 Berlin –Charlottenburg,
U-Ernst Reuter-Platz, S-Tiergarten, Bus M45, 245 und X9
www.tag-der-mahnung.de

Überlebende der Konzentrationslager und Zuchthäuser begründeten im September 1945 die Tradition an die Opfer des Faschismus zu erinnern und ihrer zu gedenken. Der jährliche Gedenktag wurde seit 1990 als Tag der Erinnerung und Mahnung und Aktionstag gegen Rassismus, Neonazismus und Krieg unter Teilnahme von zahlreichen Initiativen, Organisationen und Parteien und Tausenden Besuchern fortgeführt. In diesem Jahr möchten vom 8. bis 10. September gemeinsam mit Mitstreiter*innen aus geschichts-, gedenk- und erinnerungspolitischen Initiativen, aus Gewerkschaften, Jugendorganisationen, Schulen, Universitäten und mit Interessent*innen zu einer Konferenz einladen.

Unter dem Motto „Deutschland wieder gutgemacht? Erinnerungskultur vor neuen Herausforderungen“
werden wir über vielfältige Erfahrungen, Gefährdungen und Perspektiven pluralistischer Erinnerungskultur(en) im 21. Jahrhundert beraten. Dank der beharrlichen Arbeit vieler zivilgesellschaftlicher Initiativen und Aktivist*innen entwickelte sich in Berlin eine lebendige Erinnerungskultur. Davon zeugen Tausende Stolpersteine, zahlreiche Gedenktafeln, neu entstandene Gedächtnis- und Lernorte in Stadtteilen. Sie erinnern an Holocaust, Verfolgung, Widerstand, Zwangsarbeit und Terror des NS-Regime. Aus der Zivilgesellschaft gingen und gehen immer wieder Impulse zur Auseinandersetzung mit der NS-Zeit hervor, entstehen neue Initiativen und Projekte gegen das Vergessen, für das Erinnern an Opfer des Faschismus und auch an Opfer rechtsextremistischer Gewalt.

Anliegen der Konferenz ist es, Erfahrungen, auftretende Probleme und künftige Konzepte der Erinnerungsarbeit zu diskutieren, die Zusammenarbeit der verschiedenen Initiativen zu verstärken und zu erweitern. Unsere Konferenz ist auch eine Antwort auf die Ansage von Rechtspopulisten und Neonazis, die in Jahrzehnten gegen viele Widerstände mühsam errungene Erinnerungskultur als „dämliche Bewältigungspolitik“ abzuschaffen und einen Schlussstrich unter der weiterhin notwendigen Aufarbeitung von Holocaust, NS-Terrors, Vernichtungs-, Rassen- und Raubkrieg ziehen zu wollen.

Durch den Verlust der Zeitzeug*innen-Generation vollzieht sich ein Wandel in der Erinnerung an das Naziregime. Der von Politikern in Reden an Gedenktagen vermittelte Aufarbeitungsstolz und das damit einhergehende Selbstlob erwecken den Eindruck, als ob wir am Endpunkt einer erfolgreichen Aufarbeitung der NS-Geschichte stünden. Dies spiegelt sich auch in der Gedenkpolitik seitens der rot-schwarzen Koalition wider. Prioritäten räumt sie vor allem Orten der DDR- und Nachkriegsgeschichte ein. Es gilt jedoch, das große zivilgesellschaftliche Engagement und die Vielfalt der kleinen, mittleren und großen NS-Gedenkstätten nachhaltiger als bisher zu unterstützen und sie personell zu stärken. Es bedarf in der Erinnerungskultur keiner vorgegebenen „Meistererzählung“ sondern des kritischen Moments in der Aufarbeitung der NS- Geschichte. Geschichtsbewusstsein benötigt das Wissen um das Geschehene und den vergleichenden Blick auf das heute: Welche Aktualität haben diese Erfahrungen? Die Erinnerungskultur sollte immer die kritische Reflexion der Gegenwart im Blick haben.

Im Mittelpunkt der Konferenz stehen folgende Fragen:

· Wie können NS-Menschheitsverbrechen, Holocaust, Widerstand und Verfolgung im öffentlichen Gedächtnis bewahrt und zum Ausgangspunkt einer kritischen Reflexion der Gegenwart werden?

· Woran wird wie erinnert und was wird vergessen in der von Dauer und Wandel geprägten Erinnerungskultur?

· Wie gelingt es mit der Empathie für die Opfer auch die Täter sichtbar zu machen und die gesellschaftlichen Verhältnisse freizulegen?

· Welche Rolle kommt den Nachkommen von NS-Verfolgten bei der Bewahrung der Erinnerung zu?

· Wie können Gedenkstätten als Lernorte zukunftsfähig bleiben, ihre Anstößigkeit und das Unbequeme erhalten und damit eine Quelle gesellschaftlicher „Selbstbeunruhigung“ bleiben.

· Was erwarten wir zur flexiblen Unterstützung zivilgesellschaftlicher Akteure in ihrem im Stadtteil und Kiez verankerten gedenk- und erinnerungspolitischen Engagement vom Senat und von den Bezirksämtern?

· Wie können wir antifaschistische Erinnerungspolitik gegen den europaweiten Rechtsruck in Anschlag bringen?

Freitag | 8.September 2017

18.00 Uhr

Eröffnung | Begrüßung
Hans Coppi, Vorsitzender der Berliner VVN-BdA

Grußwort
Volkmar Harnisch (*1926) VVN-BdA
1944 im Alter von 17 Jahren verhaftet

Dr. Detlef Garbe, Leiter der KZ- Gedenkstätte Neuengamme:
Erinnerungskultur zwischen Aufarbeitungsstolz, Unbehagen und Selbstbeunruhigung

19.00 Uhr | Podiumsdiskussion

Nicht nur Vergangenheit, sondern auch Gegenwart – Herausforderungen für ein kritisches Erinnern.

Stefan Heinz – Arbeitsstelle nationale und internationale Gewerkschaftspolitik an der FU Berlin

Kamil Majchrzak - Vorstandsmitglied, Internationales Komitee Buchenwald-Dora und Kommandos

Petra Rosenberg _ Vorsitzende des Landesverbandes der Sinti und Roma Berlin und Brandenburg und der Arbeitsgemeinschaft Berliner NS-Verfolgtenverbände

Anne Allex - Dozentin für Sozialrecht, Referentin, Autorin, Arbeitskreis „Marginalisierte — gestern und heute!"

Moderation: Cornelia Siebeck ,Historikerin, Publizistin, Bildungsarbeiterin

Die Abende am 8. und 9. September klingen auf dem auf dem Hof am Café A mit Gesprächen und Musik aus.

Samstag | 9.September 2017

10.00 Uhr - Frühstück

11.00 Uhr

Impulsreferat:
Fiktionen gegen Fakten – Zum Umgang der extremen Rechten mit der Geschichte“

Dr. Gideon Botsch, Moses Mendelsohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien Potsdam

Ab 12 Uhr - Workshops / Diskussionen / Gespräche

12:00 bis 13:30 Uhr

Kein Schlussstrich - Berliner NSU-Untersuchungsausschuss jetzt!
Moderation: Juliane Lang (NSU-Watch/ Forschungsnetzwerk Frauen und Rechtsextremismus)

Erinnern im öffentlichen Raum: Stolpersteine und Gedenktafeln
Moderation: Petra Fritsche, Stolpersteinaktivistin und Frieder Böhne, VVN-VdA.

Tempelhofer Feld - 1933 bis 1945 als Täterort
Moderation: Oliver Gaida, Förderverein zum Gedenken an Naziverbrechen um und auf dem Tempelhofer Flugfeld

„Blinde Flecken“ - Bildung und Gedenken an die Opfer der „Aktion Reinhardt“ (Sobibor; Bełżec, Treblinka)
Moderation: Kamil Majchrzak, Initiative zur Erinnerung an die Opfer der „Aktion Reinhardt“

Geschichtsvermittlung über digitale Medien
Moderation: Ingolf Seidel, Agentur für Bildung - Geschichte, Politik und Medien und Matthias Schellenberger - Künstler und Medienpädagoge an der Adolf-Reichwein-Schule

13:30 bis 14:30 Uhr Mittagspause / Mittagessen

14:30 bis 16:00 Uhr

Vergessener Widerstand der Arbeiter?
Moderation: Stefan Heinz: Arbeitsstelle nationale und internationale Gewerkschaftspolitik an der FU

Verfolgt bis in die Gegenwart: Sinti und Roma;
Moderation: Petra Rosenberg, Vorsitzende der Sinti und Roma Berlin-Brandenburg und Cornelia Kehrt Vorsitzende der VVN-BdA

Neue Stadtteilinitiativen zur Erinnerung an Holocaust, Zwangsarbeit, Widerstand und Verfolgung
Moderation: Reinhard Wenzel, August Bebel Institut

Erinnern an Opfer rassistischer und rechtsextremistischer Gewalt
Moderation: Christoph Kopke, Hochschule für Wirtschaft und Recht, Berlin

16:00 bis 16:30 Uhr Kaffeepause

16:30 bis 18 Uhr

Vermittlung von Widerstand und Verfolgung an Schulen
Moderation: Brigitte Kather, Schulleiterin an der Paula-Fürst-Schule, und Utz List, Lehrer an der Ruth-Cohn-Schule

Alternativen zum staatlichen Gedenken - Das Konzept des Offenen Gedenkens
Moderation: Initiative für einen Gedenkort ehemaliges KZ Uckermark e.V.

Überwindung von Vorurteilen und Antisemitismus: Erinnern in der Migrationsgesellschaft;
Moderation: Anne Goldenbogen, KIgA e.V. - Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus.

Das Vermächtnis bewahren, das Erbe annehmen: Ein Austausch über das Selbstverständnis der Nachkommen von NS-Verfolgten, ihre Anerkennung und Legitimation
Moderation: Dagmar Knellesen, Dubnow-Institut Leipzig

Bewusst verschwiegene Verfolgte des Naziregimes: „Asoziale“ und „Berufsverbrecher“
Moderation: Anne Alex, „Marginalisierte-gestern und heute!“ und Liane Lieske (Hamburg)

18.00 Uhr Abschlussplenum zu Ergebnissen der Workshops

Die Abende am 8. und 9. September klingen auf dem auf dem Hof im Café A mit Gesprächen, Getränken, Essen und Musik aus.

Sonntag 10. September 2017

„Aktionstag gegen Rassismus, Neonazismus & Krieg“

11.00 Uhr

Frühstücksgespräch mit antifaschistischen Zeitzeug*innen

bei schönem Wetter im Freien

12:30 Uhr

Ernst- Reuter-Platz (3 Minuten Fußweg)

Antifaschistische Kundgebung

im Gedenken an die polnischen Befreier*innen Berlins

Der Einsatz polnischer Soldatinnen und Soldaten bei dem Sturm auf Berlin im Frühjahr 1945 ist zu Unrecht weitgehend in Vergessenheit geraten.
Polnische Einheiten kämpften vor allem in Charlottenburg, Moabit und Tiergarten.
Besonders viele Opfer forderten die Kämpfe am 1. Mai um die Charlottenburger Chaussee (die heutige Straße des 17. Juni).

Im Anschluss

Unser schon traditioneller antifaschistischer Fahrradkorso
Vorbei an Orten von Widerstand und Verfolgung und gegen die AfD!

Date: 

Friday, September 8, 2017 - 18:00 to Sunday, September 10, 2017 - 18:00

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