Sexistische Werbkampagne im Vorfeld der AIAS-Stammzellen-Spender*innen-Aktion an der TU

Für alle, die sich fragen, wie die Geschichte mit der AIAS und deren sexistischer Kampagne für die Registrierung als Knochenmarkspender*in ausgegeangen ist:

Zur Erinnerung: Die letzten zwei Wochen hingen überall auf dem Campus Plakate der AIAS, die für eine Typisierungsaktion für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) für den vergangenen Dienstag warben. Auf den Plakaten war ein rot geschminkter Frauenmund zu sehen, über dem der Schriftzug „Steck ihn in den Mund!“ prangte. Etwas kleiner unter dem Bild hieß es „... denn du bist nur ein Wattestäbchen entferntein potentieller Lebnesretter zu werden“.

Wir kritisierten die Kampagne, da sie in typischer Manier sexistischer Werbung Frauen als Sexualobjekte darstellt und mit dem Spruch Phantasien von nicht-konsensuellen sexuellen Handlungen (ja, das meint Vergewaltigung) bedient. Neben einer Veröffentlichung unserer Kritik, wiesen wir auch mit Stickern auf den Plakaten darauf hin: „This is Rape Culture!“

Die Frauenbeauftragte der TU Berlin und zahlreiche Einzelpersonen schlossen sich unserer Kritik an auf der die AIAS mit einer generischen Antwort reagierte: "Wir haben das Motiv gewählt weil es Aufmerksamkeit schafft. Aufmerksamkeit schaffen ist wichtig weil es um die Rettung von Leben geht. Wir wollten niemanden damit verletzen. Wir sind konstruktiver Kritik gegenüber aufgeschlossen, kommt doch am Dienstag vorbei und wir können reden."

Keine Einsicht, keine Entschuldigung, aber immerhin ein Gesprächsangebot, das sich allerdings als sehr halbherzig herausstellen sollte.

Mit Flyern, die nochmals inhaltlich den Sexismus der Kampagne erläuterten und außerdem Zitate, auch von registrierten Spenderinnen, die die Aktion gar nicht witzig fanden, enthielten, machten wir uns an besagtem Tag auf den Weg in den Lichthof des TU-Hauptgebäudes, wo die Registrierungsaktion statt fand.

Zunächst unterhielten wir uns mit einigen Unterstützer*innen der Aktion und fragten sie nach ihrer Meinung. Die Reaktionen ähnelten denen, die auch schon auf Facebook zur Verteidigung der Kampagne angebracht wurden: „Wir wissen nicht was Ihr meint“ oder „Es ist doch eindeutig DAS Wattestäbchen (jemand sagte sogar der Wattestab) gemeint“. Einerseits habe man sich also bewusst für eine Doppeldeutigkeit entschieden andererseits soll es die aber gar nicht geben? Eine Unterstützerin meinte „Ja, am Anfang fand`s ich auch doof, aber is ja eigentlich nicht so schlimm“. Viele sagten schließlich auch „Dazu kann ich nichts sagen, fragt mal die beiden Kerle mit den Hemden da“

Doch auch das Gespräch mit den Hemden fruchtete nicht: Es blieb bei den Rechtfertigungen, dass es doch um Aufmerksamkeit gehe und schließlich um einen guten Zweck. Der versprochene konstruktive Dialog blieb also aus und es wurde deutlich, dass wir nicht erwünscht waren.

Wir verteilten noch eine Menge Flyer, auf die wir erwartungsgemäß einige sehr ablehnende, aber doch größtenteils positive Rückmeldungen bekamen. Viele Leute fanden unsere Kritik richtig und verstanden das sie sich nicht gegen die Aktion, sondern gegen die verwendeten Mittel richtete (während on- und offline einige Möchtegern-Anti-Gender-Aktivisten uns unbedingt unterstellen wollten, wir hätten etwas gegen die Unterstützung von Blutkrebspatient*innen).

Fazit: Das Phänomen ist das gleiche wie immer: Die Verteidiger*innen von Sexismus schaffen es einfach nicht die Unterscheidung zwischen Intention (Aufmerksamkeit, guter Zweck) und Wirkung (zur gesellschaftlichen Akzeptanz für die Herabstufung von Frauen* und sexualisierte Gewalt beizutragen) herzustellen. Das Verhalten der AIAS, die immer weiterhin keine Reaktion gezeigt hat, zeugt entweder von krasser Unfähigkeit zur Selbstkritik oder dem Willen im Namen des guten Zwecks mit diskriminierenden Anklängen zu werben und dadurch im Zweifelsfall auch Unterstützer*innen zu verlieren (ein Blick auf die FB-Seite der Gruppe zeigt schnell, das wir weder die einzigen, noch die ersten waren, die die Kampagne ablehnten).

Es bleibt dabei: Scheiße für einen guten Zweck ist immer noch Scheiße.

Wir hoffen weiterhin das unsere Intervention womöglich bei einigen Beteiligten zum Nachdenken geführt hat und die AIAS in Zukunft auf seriöse Kampagnen setzt. Ansonsten sei ihnen gewiss, dass auch wir beim nächsten Mal wieder dabei sind.