"Rettet die Lehre!" - Demo der Architektur Studis

 Rettet die Lehre Die Fachschaft der Architektur Strudierenden "Team IfA" ruft für Dienstag, den 18.04.2017 um 15 Uhr zur Demonstration auf um gegen die Kürzung mehrerer Fachgebiete zu protestieren . Startpunkt ist am Ernst-Reuter Platz vor dem Architektur-Gebäude.
Sicherlich freunen sich die Archi's auch über die Solidarität anderer Studis aus anderen unterfinanzierten Studiengängen. Der AStA empfiehlt: Auf die Straße!

An dieser Stelle dokumentieren wir deshalb nochmal den Artikel des "Team IfA" aus dem aktuellen AStA-Info.

Architektur - Lehre zu Beginn des 21.Jahrhunderts

Am Institut für Architektur (IfA) der TU-Berlin wurden in den letzten Jahren ca. 20% Lehrpersonal eingespart. In der Folge sind einige Fachgebiete gestrichen worden und andere wurden so weit zusammengekürzt, dass sie nur noch durch (unbezahlte) Überstunden am Laufen gehalten werden können.
Die aktuelle Diskussion um die Abschaffung der Modellbaulehre und die Einrichtung eines FabLab‘s1 zeigen schlaglichtartig die Absurditäten der aktuellen Hochschulpolitik und wie diese die Architekturlehre gefährdet.
Die staatlich forcierten „Umstrukturierungsmaßnahmen“ der letzten Jahre führten am IfA unter anderem zu der Entscheidung, den Architekturmodellbau, der derzeit noch ein eigenständiges Lehrmodul ist, abzuschaffen. Die Begründung: Irgendwo müsse gekürzt werden und der Modellbau würde weder forschen noch genügend Drittmittel einwerben. Für uns Studierende entfällt damit nicht nur ein sehr beliebtes Studienangebot, sondern die konkrete Lehre. Und das obwohl das gebaute Modell für den architektonischen Entwurfs- und Diskussionsprozess elementar ist.
Bei einer studentischen Vollversammlung des Instituts wurde deutlich, dass die Mehrheit der Studierenden diesen Schritt ablehnt. Trotz des Widerspruches der Studierenden ist bis heute kein Ersatz für den Wegfall der Modellbaulehre absehbar.
Stattdessen wird uns die zukünftige Einrichtung eines FabLab‘s als Ersatz präsentiert. Zwar gibt es derzeit ein Raumkonzept für das
FabLab, was jedoch fehlt, ist ein Konzept dafür, wie dieses effektiv genutzt werden kann. Weder die Frage wie die Maschinen betreut werden (und damit für Studierende nutzbar sind) ist derzeit geklärt, noch die Frage wie die Studierenden befähigt werden diese zu nutzen. Denn in der letzten Kürzungsrunde ist nicht nur der Modellbau gestrichen worden sondern auch das für die „Einführung in CAD“ zuständige Fachgebiet, welches den Studierenden die notwendigen Software-Grundkenntnisse vermittelte. Nur eine Frage für das FabLab scheint bereits geklärt: Eine analoge Modellbaulehre soll es nicht geben.
Pointiert lässt sich feststellen: Statt vielseitiger analoger Modelle mit professioneller Anleitung bauen wir in Zukunft (digitale) Modelle auf Maschinen, an die wir nicht herankommen, weil sie nicht betreut werden, und die wir nicht bedienen können, weil uns die notwendige Software nicht beigebracht wird. Schöne Aussichten...

Doch wie stellen wir Studierende uns ein Architektur-Studium im 21.Jahrhundert eigentlich vor? In erster Linie sollte das Studium uns ermöglichen unsere Fähigkeiten, Wünsche und Ideen selbstständig zu entwickeln. Das heißt für uns, das es Angebote geben muss die die Grundlagen der verschiedenen Architektur-Praktiken, sowohl analog als auch digital vermitteln. Und zwar nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch. Wir denken, das die Einrichtung eines effektiv nutzbaren FabLab‘s zwar die Modellbaupraxis unterstützen, jedoch nicht die Lehre ersetzen kann. Um die von uns geforderte Entscheidungsfähigkeit zu erlangen bedarf es einer gut aufgestellten und ausfinanzierten Grundlehre, welche auch die Grundlage für die Forschungsprojekte darstellt, mit denen sich unsere Uni so gerne schmückt.
Konkret heißt das:

  • Rücknahme der Kürzungen am IfA
  • Höhere Betreuungsschlüssel, insbesondere in den Entwürfen
  • Aufstellung eines Softwarevermittlungs-Konzeptes und Einstellung der dafür nötigen Lehrkräfte
  • Erhalt der Modellbaulehre
  • Aufbau eines FabLab's mit ausreichend technischem Betreuungspersonal
  • Abschaffung der versteckten Studiengebühren („Tischgebühren“)

Dafür fordern wir vom Berliner Senat:

  • Ausfinanzierung der Grundlehre
  • Reduzierung der Abhängigkeit von Drittmittelprojekten
  • Förderung finanziell schwacher Studierender durch regelmäßige BAFÖG-Erhöhungen und den Ausbau des Sozialen Wohnungsbaus

1) ein FabLab ist quasi eine „digitale Werkstatt“ in der Hilfe von z.B. 3D-Druckern und CNC-Fräsen physische Modelle und Modellteile gebaut werden. Als Grundlage dienen virtuelle 3D-Modelle.

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