Recht auf Wohnen oder Recht auf Gewinn?

In der TU Intern vom Mai 2015 erschien ein Artikel unter der Überschrift „Was ist uns Wohnen wert? von Kristin Wellner, Professorin am TU-Institut für Architektur.
Ich als kritischer Student kann die gemachten Behauptungen und die Angriffe gegen politisch engagierte Menschen nicht einfach stehen lassen. Ich möchte im Sinne eines Diskurses kurz darauf antworten und würde mich über weitere Beiträge freuen.

Zu Anfang gleich eine der interessantesten Stellen im Text von Kristin Wellner, es gibt noch einige weitere, : „Sie [„Stadt von unten oder Berliner Mietenvolksentscheid“] sind dem Lager der „linken Träumer“ oder allgemein gewaltbereiten Gruppierungen zuordenbar, wo staatliche Verteilung alle Ungerechtigkeiten heilt“

Menschen, die davon träumen und dafür kämpfen, dass für die Befriedigung der Grundbedürfnisse aller Menschen auf der Welt gesorgt werden kann, sind also nicht die, die die Probleme lösen werden? Ja, kein sein, dass sie (noch) nicht die Problemlösenden sind. Liegt meiner Meinung nach aber auch unter anderem daran, dass sie noch relativ wenige sind.

Aber bestimmt werden die Probleme Professor*innen oder Politiker*innen lösen, die an so konkret wissenschaftlich nachweisbaren Mythen wie die "unsichtbare Hand des Marktes" glauben. Menschen, die daran glauben dass Gewinnstreben schon dafür sorgen wird, dass alle versorgt werden. Menschen, die für die Durchsetzung ihres Gewinnstrebens auf die Unterstützung der staatlichen Gewalt setzen, falls Leute doch mal anderer Meinung sind oder ihre Bedürfnisse einfordern.
Der Zustand der Welt jetzt und auch früher widerspricht dieser Glaubensrichtung deutlich! Die Probleme werden damit im Gegenteil erhalten und nicht gelöst. Dass aber auch der Staat die Probleme nicht lösen wird bzw. kann scheint auch historisch und aktuell bewiesen.

Trotzdem noch kurz zu dem Argument, dass das Geld, das der Staat zur Unterstützung der Befriedigung des Bedürfnisses nach einem Dach über dem Kopf aufwenden würde, an anderer Stelle, wie z.B. Bildungs- und Hochschulfinanzierung, fehlen würde: Wie wäre es mit Steuern erhöhen oder überhaupt mal nennenswerte Steuerbeträge vom Großkapital einzutreiben? Auf Kapitalerträge werden hierzulande gerade einmal 25 % Steuern erhoben. Da soll nicht mehr möglich sein? Warum, etwa weil Staat und Großkapital "Best Friends" sind? Weil Deutschland dann im internationalen Wettbewerb der Kapitalnationen absteigen würde? Weil unendliches Gewinnwachstum irgendeine Quelle braucht? Es muss halt Gewinner und Verlierer geben? Nein, muss es nicht!

Es ist natürlich klar, dass in unserem System hauptsächlich Leute, die konform gehen mit der lebewesenverachtenden Ideologie der Herrschafts-Kapitalistischen Ordnung, in die Wissenschaftselite berufen werden, dies scheint auch bei Professorin Dr. Kristin Wellner der Fall zu sein. Gut, ein paar wenige Prof-Queerköpfe gibt es auch, aber auch nur zur Wahrung des Scheins einer freien Gesellschafft. Einfluss auf die Entwicklung der Gesellschaft haben sie kaum und werden auch abgesägt, wenn es doch mal anders sein sollte. Dazu empfiehlt es sich in die letzten Jahrzehnte BRD-Uni-Geschichte zu schauen und ihr werdet sie finden, diese Fälle (ein Stichwort: Berufsverbote).
Daher ist es ist umso wichtiger, dass Leute
oxi! sagen
, die etwas an der Gesamtscheiße ändern wollen, zu der auch die Existenz von Miete und Erhöhung der Mehrwertabschöpfung durch Miete gehört.

Deswegen macht mit bei so Initiativen wie Mietenvolksentscheid Berlin und Bündnis Stadt von Unten. Werdet und bleibt aktiv! Startet weitere Initiativen. Die Welt lässt sich umgestalten! Auch wenn es hart ist und kaum vorangeht, was bleibt uns anderes übrig? Lasst euch von den angeblich schlauen Professor*innen, Politiker*innen oder sonst wem nicht für dumm verkaufen.

Sicherlich gibt es beim "Mietenvolksentscheid" und auch bestimmt beim "Bündnis Stadt von unten" einiges zu kritisieren und zu verbessern, aber es kann ein Teil des Kampfes für Würde und Gerechtigkeit für alle auf der Welt sein!

Ein paar Vorschläge von mir für mögliche Zwischenziele im Bereich Wohnungskämpfe:

* Verbot von Gewinnen durch Miete oder Wohnungsbau
* Besetzen von jeglichem Leerstand legalisieren
* Aufbau von weiteren Wohnungssyndikaten nach Vorbild des Mietshäuser Syndikat | Zusammenschluss von selbstorganisierten Hausprojekten
* Staatlich finanzierte Wohnbauprogramme ohne Einfluss von privaten Interessen. (Der Staat zahlt derzeit so gut wie keine Zinsen auf Fremdkapital!)

Denkt meine Vorschläge gerne weiter, verbessert sie, ergänzt was fehlt! Nur gemeinsam schaffen wir es, die bessere Welt für alle aufzubauen!

Gustav Mühsam