"Liebling, ich habe die Struktur geschrumpft"

Der Akademische Senat der TU Berlin hat heute spontan den Strukturplan 2015 für die Uni verabschiedet. Dieser benennt Fachgebiete, die in den nächsten Jahren gestrichen werden.

Eigentlich war auf der Tagesordnung nur eine "2. Diskussionsrunde" der Beschlussvorlage angesetzt, während der Beschluss erst für nächste Woche angekündigt wurde. Mitten in der Generaldebatte bei nicht abgeschlossener Redeliste ging Präsident Thomsen zur Behandlung der Änderungsanträge über. Danach fragte er, ob man jetzt den Gesamtantrag abstimmen wolle. Obwohl einer der Studierendenvertreter explizit widersprach, fuhr der Präsident ohne weitere Geschäftsordnungs-Abstimmung mit dem Beschluss über den Gesamtantrag fort. Dabei stand das niemals als Beschlusspunkt auf der Tagesordnung. Eigentlich hätten an dieser Stelle alle Menschen, die jemals etwas von parlamentarischer Prozedur gehört haben, weinend den Raum verlassen müssen. Stattdessen wurde der Strukturplan mit deutlicher Mehrheit angenommen. Offenbar waren alle glücklich, dieses nervige Kapitel hinter sich zu bringen.

Anders als der Name vermuten ließe, findet mit dem "Strukturplan" keine echte Planung statt. Es werden Fachgebiete geschlossen, ohne dass geklärt würde, welche qualitativen und quantitativen Beiträge diese zum Lehrangebot der Uni leisten und wie ihr Wegfall kompensiert werden soll. Zum Beispiel ist das Fachgebiet "Flugführung und Luftverkehr" zur Streichung vorgesehen, das aktuell hundert Abschlussarbeiten pro Jahr betreut und eine lange Warteliste dafür führt. Mit seinem planlosen Wegfall sind krasse Verschlechterungen für die Studierenden (und für die Angestellten verwandter Fachgebiete) quasi vorprogrammiert. Im Endeffekt werden schlicht diejenigen Fachgebiete plattgemacht, die gerade in ihren Fakultäten keine starke Lobby haben – ein absolutes Armutszeugnis für die akademische Selbstverwaltung!

Gestrichen werden, wenn die Fakultäten nicht noch andere Fachgebiete dafür benennen:

Fakultät Fachgebiet
I Fachdidaktik der beruflichen Fachrichtungen Metall- und Elektrotechnik
II Experimentalphysik, insbesondere Laser- und Quantenelektronik
III Hybridmaterialien
III Bionik und Evolutionstechnik
III Anlagen- und Sicherheitstechnik
IV Integrierte Systeme - Nanoarchitekturen
IV Übersetzerbau und Programmiersprachen
V Mechanik, insbesondere Fahrzeugmechanik
V Flugführung und Luftverkehr
VI Ständige Gastprofessur in der Architektur
VI Explorationsgeologie

Fakultät VII (Wirtschaft und Management) kommt somit ungeschoren davon. Besonders hart trifft es Fakultät III (Prozesswissenschaften), die gut ein Zehntel ihrere Fachgebiete verliert.