Danksagung an die polnischen Befreier*innen Charlottenburgs

Heute vor 75 Jahren kapitulierten die deutschen Streitkräfte. Ein Tag der Freude, bedeutete dies doch den Untergang des NS Regimes. Besonderen Dank möchten wir an die polnischen Befreier*innen Charlottenburgs richten.
Insgesamt nahmen im Frühjahr 1945 mehr als 185.000 polnische Soldat*innen der 1. und 2. Polnischen Armee (die in der Lausitz kämpfte), an der Berliner Operation teil. 12.000 von ihnen kämpften in der Innenstadt, 8.892 ließen ihr Leben für die Befreiung Berlins. 
Die in der Erinnerung oft vergessenen polnischen Einheiten halfen entschieden dabei Charlottenburg und die TU zu erobern. SS und Wehrmacht hatten unter anderem das heutige TU-Gelände, damals noch "Technische Hochschule" (TH), in eine Festung verwandelt, die sie bis zum 2. Mai 1945 hielten. Beteiligt an den Kämpfen um das als "Zitadelle" bezeichnete Gebiet war vor allem die polnische 1. Tadeusz-Kościuszko-Division. Unter den Soldat*innen der 1. Tadeusz-Kościuszko-Division befanden sich kampferprobte Männer und Frauen, die unter anderem schon beim Überfall der Wehrmacht auf Polen 1939 gegen diese gekämpft haben und auch schon Kampferfahrung im Warschauer Aufstand der polnischen Heimatarmee (Armia Krajowa) 1944 gewonnen.  
Die "Zitadelle" umschloss die drei wichtigen Punkte Karl-August-Platz, S-Bahnhof Tiergarten und das Gelände der Technischen Hochschule. Dieses Gebiet stellte einen wichtigen Verteidigungspunkt der Wehrmacht für die Reichskanzlei und Hitlers "Führerbunker" dar. Am 30.4.1945 begann die 1. Tadeusz-Kościuszko-Division gemeinsam mit der 2. Sowjetischen Panzer-Garde-Armee ihren Versuch dieses Gebiet von Westen her zu durchbrechen und auf der Charlottenburger Chaussee (heute: Str. des 17. Juni) zur Reichskanzlei durchzustoßen. Es war die Aufgabe der polnischen Infanterie den Weg bis zum Tiergarten und zum Zoologischen Garten freizukämpfen, da es zunächst kein Durchkommen für die sowjetischen Panzer gab. Waren die Gebäude noch durch SS und Wehrmacht besetzt und mussten erst durch die Infanterie geräumt werden. In der Nacht vom 1. auf den 2. Mai war dies gelungen und am Tag hing die polnische Fahne auf der Siegessäule. 
Doch auch bevor das TH Gelände in ein Schlachtfeld verwandelt wurden, war die Hochschule Teil des nationalsozialistischen Alltags: 
Nationalsozialistische Studentengruppen organisierten etwa die Schikane ihrer jüdischen Professoren und Dozierenden und denunzierten ihre jüdischen oder kommunistischen Kommiliton*innen. Bis 1939 wurden durch immer weiter verschärfte antisemitische Gesetze jede, in den Augen der Nazis jüdische Person aus dem Lehrkörper der TH entfernt. Einige wurden deportiert, ermorder oder nahmen sich das Leben. Auch gab an der TH eine "Wehrtechnische Fakultät" mit geheimer militärischer Forschung, die in der nationalsozialistischen Rüstungsforschung eine wesentliche Rolle spielte. 
Lange vor den deutschen "Trümmerfrauen" mussten sich Zwangsarbeiter*innen um den Schutt der Bombardements kümmern: als das Hauptgebäude der TH  zerstört wurde, wurden 1943 Zwangsarbeiter*innen für die Aufräumarbeiten eingesetzt. Im gleichen Jahr bekam die TH eigene  Zwangsarbeiter*innen, nachdem sie sich bis dahin bei Bedarf Zwangsarbeiter*innen bei anderen Firmen geliehen hatte. Sie wurden unter katastrophalen Bedingungen auf dem Campus in der Franklinstraße 29 untergebracht. Prof. Drawe, Fakultät für Maschinenwesen, lamentierte rasstisch gegen die sogenannten "Ostarbeiter": 
„Denn es dürfte richtiger sein, wenn die Fäkalien sich im Ostarbeiterlager ansammeln, als dass sie in unsere Bibliothek hinabbefördert werden.“
 
Dieser furchtbare Zustand fand mit der Bedingungslosen Kapitulation Nazi-Deutschlands ebenfalls ein Ende. 
 
Der AStA TU sagt daher: Dziękujemy za Wyzwolenie! Und kämpft und erinnert weiter antifaschistisch.
 
Um die Erinnerung wach zu halten war es ursprünglich geplant, heute eine Gedenktafel auf dem Campus der TU aufzustellen. Wir als AStA TU zusammen mit dem VVN-BdA und der SPD-Fraktion Charlottenburg-Wilmersdorf wollten so an die polnischen Befreier*innen und ihren Kampf gegen den Hitler-Faschismus zu erinnern.
Die Aufstellung sollte feierlich umrahmt werden. Auf Grund des Corona-Virus haben wir uns dazu entschieden, die Veranstaltung auf den 1. September zu verschieben, den Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen.
 
Für mehr Informationen könnt ihr auch gerne hier weiterlesen:
 
Foto: Geschütze des 2. Polnischen Artillerie-Bataillon am Charlottenburger Schloss, April 1945. Quelle: Centralne Archiwum Wojskowe, Sign. K-148-8-9
Bearbeitung: AStA TU (2020)