BZ vs AStA. Gunnar Schupelius vergleicht Weiße Rose und RAF. Und AStA-TU und RAF und DDR.

Gunnar Schupelius (B.Z., größte Berliner Lokalzeitung, Axel-Springer-AG) attackiert heute die Podiumsdiskussion "Wenn aus Studierenden Staatsfeinde werden. Weiße Rose, RAF und noch mehr" in einer Infotainment-Glosse "Ex-RAF-Terrorist sprach an der TU. Warum?"

Schupelius eröffnet seinen Artikel mit einem ausgiebigen Vergleich zwischen RAF und Weißer Rose. Im Voraus hatten wir von verschiedenen Leuten gehört, dass sich solch ein Vergleich verbiete. Wir freuen uns, dass sich jetzt jemand, der als AStA-Sympathisant unverdächtig ist, somit auf unsere Seite stellt - auch wenn er etwas weit geht. So explizit wie er wollten wir Weiße Rose und RAF zwar nicht vergleichen. Doch das ist ja seine Sache, wie spannend er den Vergleich findet.

Wir möchten auf einige Dinge hinweisen, die in dem Artikel etwas missverständlich bleiben, da die Zeichen wohl für den Vergleich zwischen RAF und Weiißer Rose draufgingen:

  1. Auf dem Podium saß Karl-Heinz Dellwo, aber eben nicht nur Karl-Heinz Dellwo. Es nahmen auch Jutta Schubert, Bernward Dörner und Prinz Chaos II. teil.
  2. Schupelius' Bericht enthält den Satz "Auf die Frage, ob er die Ermordung der Diplomaten bereuen würde, sagte er: „Der Ruf nach Reue ist der Ruf nach einem unpolitischen Schlussstrich. Das lehne ich ab."" Das hat Dellwo nicht auf unserer Veranstaltung gesagt, sondern in einem Spiegel-Interview vor fünf Jahren. Ein "sagte er einmal" hätte Missverständnisse vermieden und nur sechs Zeichen verschlungen..

Der Artikel enthält mindestens eine unrichtige Tatsachenbehauptung: "Der AStA führt einen weißen Stern mit Zirkel und Schraubenschlüssel im Briefkopf." Das ist unwahr, siehe zum Beispiel unser Briefkopf hier. Es könnte natürlich auch für Schupelius' Phantasie sprechen und er sieht auf dem weißen Briefpapier irgendwo einen weißen Stern. Wir wollen jetzt von Vermutungen absehen, was vielleicht so alles weiß auf weiß in der B.Z. steht.

Auch Schupelius' These, dass wir und unser Logo Stückwerk aus RAF, DDR, (Sternburg Export hat er vergessen) und allem "Linksextremen" überhaupt seien, weisen wir zurück. Zirkel, Schraubenschlüssel und Feder in unserem Logo stehen für den Gedanken einer technischen Universität. Rot ist die Farbe des TU-Berlin-Logos. Sterne im Logo finden sich bei vielen Studierendenvertretungen.

Schupelius stellt einige Fragen:

Der Mittwochabend an der TU lässt Fragen offen: Ist es richtig, dass ein ehemaliger Terrorist, der keine Reue zeigen will, in einer Universität auftreten darf? Sollte der Studierendenausschuss (AStA) dabei der Gastgeber sein?

Ja natürlich. Dellwo ist aktuell nach unserem Kenntnisstand kein Terrorist mehr und hat seine Haftstrafe verbüßt. Also kann man ihn ja wohl frei rumlaufen und frei seine Meinung äußern lassen, gerne auch in der TU Berlin! Der AStA war Gastgeber vorrangig für eine Veranstaltung über die Weiße Rose. Das Podium führte vier Menschen zusammen, die unheimlich unterschiedliche Sichtweisen auf Aspekte der Weißen Rose entwickeln konnten. Eine Autorin, einen Historiker, einen ehemaligen Staatsfeind, einen Münchener Aktivisten von heute. Wenn die Frage der B.Z. also lautete, ob der AStA Gastgeber einer Veranstaltung sein darf, die sich einem schwierigen Thema auf vielseitige Weise nähert: Ja, natürlich! Alles andere wäre problematisch.

Der AStA wird mit 8,70 Euro pro Kopf und Semester von allen Studenten finanziert. Das Gremium soll Berater für alle Studenten sein.

Sind wir ja auch und vor allem. Darüber hinaus ist es laut Berliner Hochschulgesetz §18 (2) unsere Aufgabe, "die Meinungsbildung in der Gruppe der Studierenden zu ermöglichen [und] auf der Grundlage der verfassungsmäßigen Ordnung die politische Bildung, das staatsbürgerliche Verantwortungsbewusstsein und die Bereitschaft ihrer Mitglieder zur aktiven Toleranz sowie zum Eintreten für die Grund- und Menschenrechte zu fördern." Und das tun wir, jeden Tag und immer wieder gerne!


Wer will, kann auch noch bei Schupelius anrufen 030 2591 73153 oder ihm schreiben gunnar.schupelius@axelspringer.de
Wir warnen unsere Mitstudierenden aber: Er ist ja Journalist und kein Wissenschaftler. Es kann also sein, dass sein Zitierstandard nicht immer eine hinreichende Würdigung eurer Aussagen in ihrem Zusammenhang berücksichtigt.

Zur Zitierweise ist folgender Absatz des Artikels aufschlussreich:

Dellwo fand für seine Vergangenheit als Terrorist erklärende Sätze. Der Wille, „eine weltweit revolutionäre Situation zu unterstützen“, sei berechtigt gewesen.

Das Problem damit ist, dass das in den Anführungszeichen nach unserem Kenntnisstand keine Äußerung von Dellwo ist, sondern ein schlechtes Zitat aus der AStA-Pressemitteilung. Vermutlich hatte Schupelius in der Guttenberg-Debatte aufgeschnappt, dass es böse sei, zu wenige Anführungszeichen zu setzen. Gunnar Schupelius hat zum Glück keinen Doktortitel zu verlieren...

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