Bunt beflaggt und untätig

Auch dieses Jahr hisst die Universität zu den Berliner Pride Weeks die Regenbogenflagge und will so ein Zeichen gegen Homo- und Transfeindlichkeit setzen. Doch darauf müssen auch Taten folgen. Die Verwaltung der TU Berlin muss es trans Studierenden endlich ermöglichen, unter ihrem richtigen Namen geführt zu werden, um den täglichen Belastungen und Gefährdungen durch den jetzigen Missstand ein Ende zu machen.

"Nicht Transpersonen müssen begründen, warum sie anerkannt werden wollen wie andere Menschen auch. Nicht Transpersonen müssen erklären, dass ihnen dieselben subjektiven Rechte, derselbe Schutz des Gesetzgebers, derselbe öffentliche Zugang zusteht wie anderen Personen auch. Nicht Transpersonen müssen rechtfertigen, wie sie leben wollen. Nicht Transpersonen müssen begründen, warum ihnen das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit zusteht, sondern alle, die ihnen dieses Recht absprechen wollen. Es wird Zeit (…) dass das Selbstbestimmungsrecht von Transpersonen auch dann gilt, wenn sie nicht vorher begutachtet werden."
Emcke, Carolin. Gegen den Hass

Diese Woche hat die TU Berlin vor dem Hauptgebäude eine Regenbogenflagge gehisst, um "ein Zeichen [zu setzen] für Toleranz und Vielfältigkeit und gegen Homo- und Transphobie", so der Präsident der TU Berlin, Prof. Thomsen (https://www.tu-berlin.de/?197228). Sichtbarkeit von LGBTIAQ an der Universität ist wichtig, jedoch reicht es nicht, einmal im Jahr eine Flagge zu hissen, um Toleranz zu zeigen, während tatsächliche Interessen und Bedürfnisse queerer Studierender belächelt, nicht ernst genommen und ignoriert werden.

Seit Jahren kämpft das Queerreferat um die Anerkennung von korrekten Namen, Pronomen und Personenstand von Mitgliedern der TUB auch vor deren standesamtlichen Änderung nach TSG (Transsexuellengesetz – Gesetz über die Änderung der Vornamen und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit in besonderen Fällen(https://www.gesetze-im-internet.de/tsg/BJNR016540980.html)). Dies ist für trans Menschen im Alltag nötig, da eine rechtliche Namensänderung Jahre dauern kann, nicht für alle zugänglich ist und mit immensen finanziellen Kosten verbunden ist.

Dadurch, dass die TU Berlin trans Personen dazu zwingt, den abgelegten „toten“ Namen weiter zu verwenden, setzt sie sie einer enormen psychischen Belastung aus: Die ständige Konfrontation mit dem Nichtübereinstimmen des Namens, unter dem sie immatrikuliert sind, und ihrem richtigen Namen, geht mit enormen Alltagsbeeinträchtigungen und zwischenmenschlichen Schwierigkeiten einher und erschwert einer ohnehin schon marginalisierten Gruppe den Zugang zu Hochschulbildung, obwohl dies durch einfache Maßnahmen zu verhindern wäre. Dem Queer-Referat sind zahlreiche Fälle bekannt, in denen durch diese Umstände beispielsweise trans Studierende in ihren Übungsgruppen geoutet wurden, trans Lehrende zu befürchten hatten, dass ihre Studierenden ihren toten Namen erfahren und verwenden würden, und Professoren sich weigerten, den korrekten Namen von trans Personen zu verwenden, solange sie nicht unter diesem Namen immatrikuliert seien.

Diese Zustände sind diskriminierend, unzumutbar und müssen geändert werden.

Gemäß einer Empfehlung der Senatskanzlei vom 9.2.17 sind die Berliner Hochschulen angehalten, trans Studierende auf Wunsch auch vor einer gerichtlich festgestellten Namensänderung mit dem gewählten Vornamen in interner Kommunikation (E-Mails, persönliche Kommunikation, Hochschulregister) anzusprechen. Trotz positiver rechtlicher Einschätzung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes ( https://www.asta.rwth-aachen.de/media/medien/rechtliche_einschaetzung_tr...) werden für die anhaltende Diskriminierung immer neue Gründe angegeben. Die von uns benötigten Änderungen werden als irrelevant oder technisch nicht möglich abgetan, während der bundesweite Austausch mit verschiedenen hochschulpolitischen Referaten zeigt, dass solche Namensänderungen möglich sind und an anderen Universitäten bereits umgesetzt werden.

Die tatsächlichen Anliegen von trans Studierenden an der Hochschule werden nicht ernst genommen, während gleichzeitig vorgegeben wird, sich für sie einzusetzen.

Wenn die Hochschulen ihre trans Studierenden nicht respektieren und diesen Gewalt antun, setzen sie damit ein öffentliches Zeichen, setzen der gesellschaftlichen Ausgrenzung von trans Personen nichts entgegen und bieten mitunter die Grundlage für Hassverbrechen an trans Personen.

Was trans Studierende und Angestellte brauchen, ist Sichtbarkeit auch dadurch, dass wir unsere Namen an der Universität verwenden können, und eine Form des gegenseitigen Respekts, der sicherstellt, dass unsere Anliegen ernst genommen werden und niemand von uns mehr in ein Zwangsouting getrieben wird.