An den Hochschulen geht's "ums Ganze"

    Eigentlich ist Hochschulpolitik lächerlich, ohne sich Gedanken "ums Ganze" zu machen.

Das Hochschulsystem als Lieferant der Marktwirtschaft

  • Das zweistufige Studium mit Bachelor und Master reagiert auf die Anforderungen des Arbeitsmarkts.
    • In der Wissensgesellschaft werden viel mehr Menschen gebraucht, die eine Hochschule von Innen sahen, die Komplexes lesen und produzieren, gestalten oder programmieren können.
    • Es werden aber nicht wirklich mehr "echte" Akademiker*innen, Expert*innen und "Führungskräfte" benötigt: Ein Drei-Jahres-Schnupper-Studium genügt.
  • Bachelor und Schulzeitverdichtung (G8) federn die Herausforderungen des demographischen Wandels für die Sozialsysteme etwas ab.
    • Ihre Einführung schafft auch kurz einen Berg an (sogenannten) Fachkräften.
  • Bildungsmöglichkeiten sind heute eher eine politische als eine technische Frage.
    • Im Informationszeitalter ist die Zugänglichmachung von Wissen nicht mehr so schwierig.
      • Es verbleibt vorrangig die Frage, wer wann Raum erhält, sich Wissen und Fähigkeiten anzueignen und sich frei zu entwickeln.
  • Gerade der breite Zugang zu Hochschulbildung schafft die "Notwendigkeit" für Elite- und Privatunis.
    • Denn angesichts der Massenproduktion von niederen Akademiker*innen bemüht sich die Elite, die höheren Bildungswege und Posten für ihre eigenen Nachkommen zu pachten.
  • Aber wozu sollten wir ernsthaft Respekt vor den Reproduktionswünschen von Unternehmen und Eliten haben, die angesichts der großen Krisen unserer Zeit versagen?

Das Hochschulsystem als Konkurrent der Marktwirtschaft

  • Der Widerspruch zwischen klassischen Hochschulen und Privatwirtschaft verschärft sich.
    • Wissensproduktion und Informationsverarbeitung werden heute stärker in die ökonomische Sphäre eingebunden. Somit wandeln sich auch die Hochschulen zu wirtschaftlicheren Playern, zu Konkurrenten!
  • Verstärktes Wettbewerbsprinzip zwischen den Hochschulen und Privatisierungen sollen den Widerspruch zugunsten der Privatwirtschaft lockern.
    • Ein starkes, staatlich ausfinanziertes, sich nicht im Pseudowettbewerb aufreibendes Hochschulwesen wäre ein mächtiger Konkurrent für die neuen Profiteur*innen der Wissensökonomie. Schon allein darum müssen die Hochschulen gegeneinander konkurrieren.
      • Trotzdem wird die Welt der Wissensgesellschaft zu großen Teilen an Hochschulen erschaffen.
  • Gerade auch Studierende können und werden diese Welt weiter gestalten.
    • Wer in Deutschland studiert, gehört immer noch zum privilegiertesten Teil der Weltbevölkerung.
      • Privilegiertheit korrumpiert und ermächtigt zugleich.
    • Wir werden heute dazu herangezüchtet, die Informationen, Arbeitsabläufe und Funktionen unserer zunehmend automatisierten Welt zu ordnen.
      • Das heißt: Wir werden heute dazu herangezüchtet, herrschende Klassen überflüssig zu machen.
  • Das heißt: Wir sind gefährlich. Wir merken es nur nicht.