VG Wort erhebt Abgabe für digitale Lehrmaterialien zukünftig direkt von den Universitäten

In einer Pressemitteilung des AStA der Goethe-Universität in Frankfurt am Main vom 08.12.2016 fordert selbiger bezüglich der Abgabe für digitale Lehrmaterialien die Rückkehr zum bislang praktizierten Verfahren der pauschalen Vergütung. Der AStA schreibt hierzu:

Am 01.01.2017 tritt ein neuer Rahmenvertrag zwischen den Ländern und der VG WORT bzgl. der öffentlichen Zugänglichmachung für Unterricht und Lehre in Kraft. Dieser sieht vor, dass zukünftig 0,008€ pro Seite, Leser_in und Semester von der Universität an die VG WORT zu entrichten sind, bisher war dies über eine gemeinsame Pauschalabgabe der Länder von insgesamt 1.000.000€ geregelt. Die Goethe Universität wird den Vertrag nicht eingehen, sodass die digitale Verbreitung der Seminar-Literatur vor dem Ende steht.

Gemeinsam haben die Kultusministerkonferenz und die VG WORT einen neuen Rahmenvertrag zur Vergütung der Zweitverwertung zu Forschungs- und Lehrzwecken ausgehandelt. Dieser sieht vor, statt der bisherigen Vergütung von pauschal 1.000.000€, die die Länder nach dem Königsteiner Schlüssel untereinander aufteilten, dass Hochschulen zukünftig jedes verwendete Werk samt Seitenzahl einzeln erfassen müssen und pro Seite, Person und Semester, der die Schrift zugänglich gemacht wird eine Abgabe von 0,008€ an die VG WORT zu leisten ist. Für die Universitäten bedeutet dies eine doppelte Zusatzbelastung in Form der Abgabe selbst, sowie durch die immensen Verwaltungskosten, die durch das Meldeverfahren entstehen. In einem Test-Semester an Osnabrücker Hochschulen betrugen diese zusätzlichen Kosten knapp das vier- bis fünffache der Abgabe an die VG WORT selbst1. „Die Ausgaben für die Lehre sind bereits jetzt zu knapp bemessen, es fehlt an Lehrpersonal, Räumen und Tutor_innen um eine ordentliche Lehre zu gewährleisten. Geld das ohnehin bereits fehlt oder zumindest nicht dort investiert wird, wo es notwendig ist – nämlich in der Lehre – müsste nach dem neuen Vertrag in das unpragmatische Meldungssystem gesteckt werden.“ so Katharina Kröll, Vorsitzende AStA d. Universität Frankfurt. Die VG WORT verspricht sich von der Neuregelung in etwa vierfach höhere Einnahmen, ein Test-Semester an Osnabrücker Hochschulen hat jedoch bereits ergeben, dass dort statt höherer Studierendenschaft der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main Körperschaft Öffentlichen Rechts seit 1920Einnahmen die digitale Bereitstellung von Seminar-Materialien auf ein Viertel zurück ging2. „Die Absichten der VG WORT laufen ins Leere. Der neue Vertrag wird der aktuellen Entwicklung nach keine Mehreinnahmen bringen, da die analogen Kopien nach wie vor pauschal abgerechnet werden und bereits viele Hochschulen verkündet haben, dass sie den Vertrag nicht eingehen werden.“ so Kröll weiter. Neben der Goethe Universität, die in einem Schreiben an ihre Mitglieder vom 24.10.2016 ankündigte, den Vertrag nicht einzugehen, hat bereits die gesamte Konferenz Hessischer Universitätspräsidien3 erklärt, dasselbe zu tun – auch um damit Protest zu bekunden.

„Wir begrüßen die Ankündigung der Universität den neuen Vertrag nicht einzugehen, die Schuld ist hier bei der VG WORT zu suchen. Es geht nicht darum, keine Vergütung an die Autorinnen und Autoren zu leisten, die Neuregelung führt jedoch lediglich zu einem Rückschritt im Bereich der Digitalisierung. Das Meldeverfahren ist unverhältnismäßig aufwendig und wirkt derart, dass die Online-Bereitstellung fortan faktisch verunmöglicht wird. Der Effekt ist der erzwungene Rückschritt ins analoge Zeitalter für viele Studierende in Deutschland.“ kommentiert Holger Rosebrock, Referent im AStA der Goethe-Universität die Neu-Regelung. Das neue Vorgehen sorgt unter den Studierenden und beim AStA der Goethe-Universität für Unverständnis und könnte mitunter sogar die Freiheit in Forschung und Lehre beeinträchtigen, ergänzt Rosebrock: „Wir fordern die VG WORT auf, zum alten Verfahren zurückzukehren und ggf. die Pauschale zu erhöhen. Aber im Effekt fehlende Mittel in der Lehre weiter zu verknappen ist studierendenfeindlich. Zum Wohle der Freiheit von Forschung und Lehre sollten die die Mittel für Bildung ausschließlich vom Bund und den Ländern geleistet werden. Die fortan direkte Abrechnung mit den Universitäten ist in diesen Belangen ein weiterer Schritt in die falsche Richtung.“ Im Effekt könnte die direkte Abrechnung dazu führen, dass Forschung und Lehre weiter in Drittmittel-Abhängigkeit geraten, da bisher völlig unklar ist, ob und wie die Länder auf die Umschichtung reagieren.

Ansprechpartner_innen:

Katharina Kröll
Vorsitzende d. AStAs der Goethe-Universität Frankfurt
01759775581
kroell@asta-frankfurt.de

Holger Rosebrock
Referent im AStA der Goethe-Universität Frankfurt
h.rosebrock@gmx.net