Hundert Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fordern die Aberkennung der Ehrendoktorwürde für den türkischen Ministerpräsidenten Binali Yıldırım

Studierende und Wissenschaftler*innen fordern von der Technischen Universität Berlin die Aberkennung der Ehrendoktorwürde für den türkischen Ministerpräsident Binali Yıldırım. Eine Petition mit der Forderung unterzeichneten bereits 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, darunter Wolfgang Neef, ehemaliger Vizepräsident der TUB, Catherine Goussef, Direktorin des Centre Marc Bloch und der Politikwissenschaftler und Journalist Ismail Küpeli.

In der Petition heißt es: „Wir sind der Meinung, dass es politischer Konsequenzen bedarf, die über Lippenbekenntnisse hinausgehen. Aus der Verantwortung unseren Kolleg*innen gegenüber, die den Säuberungen und Beschränkungen zum Opfer fielen, können wir nicht weiter hinnehmen, dass sich Ministerpräsident Yıldırım, federführender Mitgestalter dieses Systems, mit Ehrenauszeichnungen der Hochschule schmücken darf. Autonome Wissenschaft bedarf eines demokratischen Umfeldes – dies sehen wir in der Türkei nicht mehr gegeben.“

Im November 2016 beantragte der AStA im Akademischen Senat und im Kuratorium der Universität die Aberkennung der Ehrendoktorwürde. Seitdem wird an der Universität diskutiert. Im Februar steht die nächste Sitzung des Gremiums an.

Hannah Eberle, studentische Kuratorin der TU Berlin: „Wir haben den Eindruck, dass an der Universität eine gemeinsame Diskussion möglich ist. Für viele ist nicht hinnehmbar, dass Binali Yıldırım diesen Ehrentitel trägt. 2011 erhielt er die Ehrendoktorwürde ausgerechnet für seine Verdienste in der Informations- und Kommunikationstechnologie. Heute steht er für einen autoritären Staatsumbau, für die Abschaltung sozialer Netzwerke, für die Verfolgung Tausender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Oppositioneller und Andersdenkender.“

Der AStA der TU Berlin veranstaltet gemeinsam mit dem kurdischen Studierendenverband parallel eine Veranstaltungsreihe zu internationaler Politik mit dem Schwerpunkt Türkei. Der AKP Abgeordnete Yeneroğlu forderte die TU Berlin und die deutschen Sicherheitsbehörden auf die Veranstaltungsreihe zu unterbinden.

Hannah Eberle: „Wir sprechen über die Türkei, weil Wissenschaftskooperationen bestehen, weil von den Zuspitzungen in der Türkei Kommiliton*innen hier wie dort betroffen sind. Uns ist die Freiheit der Debatte ein hohes Gut und wir lassen es uns auch nicht nehmen über Demokratie und Widerstand zu diskutieren“.

Zum Abschluss der Reihe referiert der Journalist und Historiker Nick Brauns am 2. Februar über den Verband Ditib (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e. V.), welcher derzeit in der öffentlichen Kritik steht.


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Hannah Eberle: 030 31425683, presse@asta.tu-berlin.de