Studentisches Café Erdreich muss erhalten bleiben

Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Technischen Universität Berlin fordert die Uni-Leitung auf, einen Dialog zum Erhalt des studentischen Café Erdreich einzugehen. Die Leitung hat dem Erdreich am 7. Oktober 2016 den Raum entzogen, nachdem sie selbst über ein Jahr nicht auf Dialogangebote zur Nutzungsweise des nicht-kommerziellen Cafés reagiert hatte.

Konkret fordert der AStA von Präsident Christian Thomsen unverzüglich:

  1. Rücknahme des Raumentzugs vom 7. Oktober 2016
  2. Aufnahme von konstruktiven Gesprächen mit den Nutzer*innen des Erdreichs
  3. Weitergabe der bisher nur der Uni-Leitung vorliegenden Beschwerden ans Erdreich, insbesondere des Schriftverkehrs mit dem Bezirksamt
  4. Verzicht auf weitere Eskalation, wie sie Herr Thomsen in der letzten Woche durch Verbreitung unrichtiger Tatsachen und Bekanntgabe angeblich geplanter Nachnutzung der Flächen betrieb

Zum Hintergrund

Am 14. Oktober 2016 hat die TU Berlin per Facebook bekanntgegeben, das ehrenamtliche Studi-Café Erdreich durch einen „modernen Lernraum“ ersetzen zu wollen. Die drei das Café nutzenden Fachschaftsinitiativen Geotechnologie, Materialisten (Werkstoffwissenschaften) und BLuB (Bio-, Lebensmittel- und Brauerei- und Getränketechnologie) würden damit ersatzlos ihren gemeinsamen Fachschaftsraum verlieren. Bisher wird das Erdreich tagsüber als Lernraum genutzt und manchmal abends für Veranstaltungen von Fachschaften und Einrichtungen der TU Berlin.

Die Universität begründet ihren Schritt damit, dass das Bezirksamt sich wegen „illegaler Nutzung“ des Erdreichs durch Schankbetrieb eingeschaltet habe. Ferner hätte das Erdreich auf Beschwerden der Uni-Leitung aus dem Juni 2015 nicht reagiert.

In Wahrheit allerdings hat das Erdreich seit Sommer 2015 sein Nutzungsverhalten angepasst und den Dialog mit der Uni-Leitung gesucht. Nur: Die Uni antwortete über ein Jahr nicht auf das Gesprächsangebot. Erst am 7. Oktober 2016 ließ Martin Schwacke, TU-Leiter des Gebäude- und Dienstemanagements, wieder von sich hören und erklärte den sofortigen Raumentzug. Bis zum 15. Oktober 2016 seien die Flächen zu räumen. Inzwischen hat die Uni-Leitung einen Aufschub der Frist bis zum 28. Oktober 2016 zugestanden – wohl auch weil das Erdreich als Raum für die laufenden Einführungsveranstaltungen mehrerer Studiengänge in Benutzung ist. In der letzten Woche haben sich über 1000 TU-Angehörige für den Erhalt des Café Erdreich ausgesprochen.

Das Erdreich befindet sich direkt am U-Bahnhof Ernst-Reuter-Platz. Die TU Berlin möchte sich hier mit neuen repräsentativen Räumlichkeiten stärker zur Stadt öffnen. Am 7. Oktober 2016 von Studierendenvertreter*innen angesprochen, ob der Raumentzug fürs Erdreich in Zusammenhang mit dem Prestigeprojekt stehe, antwortete Schwacke, dass demnächst Flächen neben dem Erdreich für ein kommerzielles Café ausgeschrieben werden sollen.

Bereits im Mai 2015 richteten 31 studentische Initiativen, Fachschaften und Cafés einen offenen Brief an Präsident Thomsen, da sie die Verdrängung von studentischem Engagement durch kommerzielle Verwertung des universitären Raums befürchteten. Auf einer folgenden Kuratoriumssitzung sagte Thomsen zu, bei Problemen zuerst das Gespräch mit den jeweiligen studentischen Nutzer*innen zu suchen. Dies ist im Fall des Erdreichs nicht geschehen. Es entsteht der Eindruck, dem Präsidenten ist konstruktiver Umgang mit engagierten Studierenden weniger wichtig als ein geschniegeltes Erscheinungsbild des Campus am Ernst-Reuter-Platz.

Update

Am Nachmittag des 18. Oktober konnte eine Übereinkunft zwischen Studierenden und Präsidium erzielt werden, nach der der Raumentzug erstmal vom Tisch ist. Genauere Infos wird das Erdreich demnächst veröffentlichen.