Akademischer Austausch für Alle? – Pustekuchen, nur für die Stärksten und Schnellsten! 04.07.2012

Anlässlich der gestrigen (3.07.2012) Mitgliederversammlung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) und der aktuellen Bewerbungsphase an den Hochschulen muss sich der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der TU Berlin einmal mehr fragen, ob das Ziel Bolognas mehr Akademischen Austausch zu organisieren ein Ziel ausschließlich für die Stärksten und Schnellsten bleibt.

Der DAAD setzt sich an der Mehrzahl der deutschen Hochschulen für den Austausch von Studierenden ein. Die erhoffte Diskussion, um Verbesserungen im Besonderen bei bürokratischen und finanziellen Fragen bereits bei der Bewerbung, ist jedoch ausgeblieben. „Wer die Internationale Mobilität nicht nur für reiche Studierende ermöglichen will, kann sich der Diskussion um sozial gerechte Zugangsbedingungen nicht entziehen.“ beschreibt Christine Ilgert Referentin für Öffentlichkeitsarbeit die Lage im DAAD. „So haben wir weiterhin eine soziale Schieflage beim Austausch mit dem Ausland. Das Ziel Mobilität zu fördern kann nur gelingen, wenn wir alle Studierenden mit einbeziehen.“

Genau diese Mobilität wird aus Sicht des AStA aber nirgendwo gefördert.
Ilgert erläutert: „Ausländische Studienbewerber*innen wird schon der Einstieg ins Studium finanziell erschwert, denn sie müssen sich über uniassist bewerben, wo jede Bewerbung 60€ kostet. Weiter stehen diese Bewerber*innen dann dem Problem geballter Anerkennungswillkür gegenüber.“

Diese Anerkennungswillkür zeichnet sich dadurch aus, dass das Abitur bzw. der Bachelor oft nicht vollständig anerkannt werden. Dies führt zu einer massiven Einschränkung in der Studienwahl.
Besonders problematisch ist aber, dass Studierende aus dem Ausland sich früher bewerben müssen als sog. Bildungsinländer*innen. Das Problem dabei ist, dass dies für viele Mitten im Semester ist. Die Studienpunkte sind aufgrund noch fehlender Modulabschlussprüfungen dann noch nicht gutgeschrieben und reichen nicht für ein Bewerbungsverfahren. „Das führt oft zu einer automatischen Studienverlängerung um mindestens ein Jahr. Vorausschauende Planung sieht anders aus.“ ärgert sich Christine Ilgert.

Auch die Mobilität ins Ausland ist alles andere als gewährleistet. Hannah Eberle, Referentin für Hochschulpolitik macht deutlich: Als Studierendenvertreter*innen müssen wir befürchten, dass der Aufenthalt im Ausland zu einem Privileg für wenige ist, wenn Zugangs- und finanzielle Hürden in Form von Einzelaustauschprogrammen für Wenige überhand nehmen. Wenn Studierende weiter Teil des DAAD sein sollen, dürfen Diskussionen um angeblich „gemeinnützige“ Unternehmen wie uniassist und Diskussionen darüber, wie Mobilität für alle möglich gemacht werden kann, nicht mehr von der Tagesordnung fallen.“