Stolpersteinverlegung für den ermordeten Studenten Günter Fuchs und weitere jüdische Opfer

Am 10. Februar 2016 wurden vor dem Haus in der Meinekestraße 4, nicht weit von der TU Berlin entfernt, sechs Stolpersteine für jüdische Bewohner*innen verlegt. Vier von ihnen wurden durch Nazi-Deutschland ermordet, zwei überlebten.

Zu den ermordeten Bewohner*innen gehörte der Maschinenbau-Student an der Technischen Hochschule Berlin, der heutigen Technischen Universität Berlin, Günter Fuchs. Er wurde nach nur drei Studiensemestern am 12. November 1938 vom Studium ausgeschlossen. Gleichzeitig wurden auch Günters Geschwister der Schule verwiesen, da man es keinem „[…] deutschen Lehrer beziehungsweise Schüler zumuten [wollte], mit Juden in einem Raum zu sitzen“. Günter erhielt seinen Ausschluss von der TH per Einschreiben durch den amtierenden Rektor der TH Ernst Storm, daran hieß es: „Bis auf weiteres wird Ihnen die Teilnahme an den Vorlesungen und Übungen der T.H.B. sowie das Betreten der Hochschule überhaupt verboten“. Davon waren insgesamt zwanzig jüdische Studierende an der TH betroffen. Zudem wurden 107 jüdische wissenschaftliche Mitarbeiter*innen ausgeschlossen. Viele von ihnen konnten später aus Deutschland fliehen, aber nicht alle konnten der NS-Tötungsmaschinerie entkommen. Rektor Ernst Storm war überzeugter Nationalsozialist und SA-Sturmbannführer. Er war bereits im März 1933 Rädelsführer einer Aktion, bei der die Hakenkreuzfahne auf dem Hauptgebäude der TH gehisst wurde. Am 1. April 1933 wurde Storm zum ordentlichen Professor ernannt.

Günter Fuchs wurde 1943 nach Theresienstadt deportiert, 1944 erfolgte die weitere Deportation nach Auschwitz. 1945 wurde er auf einen Todesmarsch gezwungen, den er überlebte, danach wurde er zunächst in Sachsenhausen interniert. Anschließend wurde er nach Mauthausen deportiert und dort am 31. März 1945 ermordet. Seine Mutter Grete Fuchs wurde 1943 nach Theresienstadt deportiert und dort am 22. Februar 1944 ermordet. Sein Vater Hebert Fuchs, der als Rechtsanwalt tätig war, wurde zunächst mit einem Berufsverbot belegt. Während der Pogromnacht am 9. November 1938 wurde Herbert Fuchs in „Schutzhaft“ genommen und in Sachsenhausen interniert, 1943 folgte dann die Deportation nach Theresienstadt, von dort wurde er 1944 weiter nach Auschwitz deportiert, wo er ermordet wurde. Günters Schwester Vera Fuchs wurde zunächst auch 1943 nach Theresienstadt und 1944 weiter nach Auschwitz deportiert, danach folgte ihre Deportation nach Groß-Rosen und dann nach Merzdorf, wo sie durch die Befreiung durch die Rote Armee überlebte. Günters Bruder Ernst Fuchs überlebte, weil ihm 1939 noch die Flucht nach England gelang.

Des Weiteren wurde gleichzeitig auch ein Stolperstein für Günters Nachbarin Gertrud Daniel verlegt, die 1942 nach Theresienstadt deportiert und dort am 21. Februar 1944 ermordet wurde. Für die Stolpersteinverlegung ist extra ihre Enkeltochter aus Israel angereist, die bewegende Worte an die Umstehenden richtete. Ihre Enkeltochter wuchs bei ihrer Großmutter auf und wohnte ebenfalls in der Meinekestraße 4. Sie überlebte in Berlin, weil sie in einem Krankenhaus eingesetzt war. Vor dem Erreichen Berlins durch die Rote Armee, sollte sie durch eine Erschießungsaktion ermordet werden. Weil sich die deutschen Kämpfer verschätzten, wurde ihr Leben gerettet, da der Vormarsch der sowjetischen Truppen in diesem Bereich schneller voranging, als vermutet. Gertrud Daniels Urenkelin, die in Israel geboren ist und heute in den Vereinigten Staaten lebt, verlas ebenfalls bewegende Worte. Ebenso tat das auch Günters Nichte, die Tochter seines Bruders Ernst, die aus England angereist war.

Auch Vertreter*innen des AStAs der TU haben an der Stolpersteinverlegung teilgenommen. Auch weil wir damit zeigen wollen, dass die nationalsozialistischen Verbrechen, die an unserer Hochschule in den 1930er Jahren gegen jüdische Studierende und Mitarbeiter*innen begangen wurden, niemals vergessen werden dürfen. Wir danken den Angehörigen der Ermordeten, dass sie die weiten Reisen auf sich genommen haben, um bei der Stolpersteinverlegung dabei zu sein und uns aus dem Leben, aber auch von der Verfolgung ihrer Liebsten berichteten zu können. Und wir danken auch den Initiator*innen der Stolpersteininitiative, die es möglich gemacht haben, dass es in der Meinickestraße jetzt ein dauerhaftes Gedenken an die Ermordeten gibt.